Die Entstehung und Entwicklung des Tempels
Im Jahr 1974 entstand in unserem Ashram ein vedischer Tempel. Man kann sich fragen, warum ein vedischer Tempel im christlichen Abendland? Die Antwort der meisten wird lauten: Swami Omkarananda kam aus Indien und somit lag es nahe, dass er die Religion seines Landes den daran Interessierten nahe brachte.
Dies ist jedoch nicht der Fall. Abgesehen davon, dass Swami Omkarananda in seiner Jugend keine hinduistische, sondern eine christliche Erziehung erhielt, ist er, wie seine Schriften und Ansprachen zeigen, absolut überkonfessionell. Die Religionen sind ihm lediglich verschiedene Wege, um ernsthafte Wahrheitssucher zur Erfahrung der höchsten Einheit allen Seins, die seine eigene ununterbrochene Erfahrung war, zu führen.
So entstand auch der Tempel im Divine Light Zentrum nicht massgeblich durch Swami Omkaranandas Initiative, sondern aufgrund der Neigung einiger seiner Anhänger, die von Kindheit an in der hinduistischen bzw. vedischen Religion zu Hause waren.
Das erste Yagna oder Hawana wurde im März 1974 von einem im Ashram auf Besuch weilenden indischen Priester durchgeführt, und Swami Omkarananda wohnte diesem persönlich bei. Anschliessend entstand der Omkarananda-Orden der Sannyasins und auch das Akhanda-Hawana, das 24-stündige immerwährende Gebet vor dem Heiligen Feuer.
Swami Omkarananda selber gab einmal folgende Antwort auf die Frage, warum ein solches ununterbrochenes Hawana in seinem Ashram in der Schweiz durchgeführt werde:
«Yagna ist eine der machtvollsten Anbetungsformen des Göttlichen. Es wird seit Tausenden von Jahren von grossen Heiligen und Weisen Indiens praktiziert. Mit speziellen vedischen Mantras haben wir die lebendige, auf alles antwortende, dynamische Gegenwart des Feuergottes, Agni-Devata, in dieses Feuer eingeladen. Durch das Feuer bringen wir all unsere Mantragebete dem Göttlichen dar. Das Feuer nimmt unsere Mantras und übergibt sie der allgegenwärtigen, allmächtigen, allwissenden Gottheit unserer Hingabe und Meditation. Wir offerieren unsere Gebete direkt in das Herz des Göttlichen. Womit? Nicht mit unserem unreinen Mund oder unserem unreinen Herzen oder Körper, sondern durch das reinste Element im ganzen Universum: FEUER.
Wenn wir Mantras wiederholen, hört sie der allhörende Gott. Wenn wir jedoch dieselben Mantras ins Feuer offerieren, erreichen sie unmittelbar das Herz des Göttlichen. Das ist ein Geheimnis. Diese Technik wurde von Gott selbst in den Veden offenbart. Wir wenden diese Technik an und legen unsere Gebete, unsere Mantra-Wiederholungen direkt in den Schoss des Göttlichen.
Diese Feuerzeremonie ist eine wunderbare Zeremonie. Sie übt einen gewaltigen Einfluss auf die ganze Menschheit aus, auf die ganze Schöpfung – auf Planeten, Sterne, die ganze Erde, sichtbare und unsichtbare Wesenheiten – eine wohltätige, segnende Wirkung. Alles gedeiht, alles blüht. Es ist eine wunderbare Zeremonie. Es gibt Geheimnisse über Geheimnisse in dieser Zeremonie; alles wird geläutert.»
33 Jahre lang, bis im Sommer 2007, wurde das Akhanda-Hawana ohne Unterbrechung durchgeführt. Während 33 Jahren haben sich eingeweihte Schüler und Schülerinnen am Feuer abgewechselt, so dass Tag und Nacht ununterbrochen Mantras ins heilige Hawana-Feuer dargebracht wurden.
Heutzutage sind viele der am Hawana teilnehmenden Sannyasins aus Altersgründen nicht mehr in der Lage, den Dienst so lange wahrzunehmen wie früher. Und da strenge Reinheitsregeln beachtet werden müssen, um an diesem Hawana teilzunehmen, ist es nicht einfach, neue geeignete Leute zu finden. Daher musste 2007 die Hawana-Dauer – hauptsächlich nachts und über die Mittagszeit – eingeschränkt werden. Dennoch wird am Hawana täglich immer noch während rund 15 Stunden für das Wohl der ganzen Menschheit gebetet. In der übrigen Zeit brennt das Ewige Feuer in Form einer Butterlampe (Deepa) weiter.